Ein jemenitischer Fleischreis, in dessen Dampf sich Holzkohle mischt

Sobald man den Deckel hebt, steigt ein Duft auf, der mehr ist als gewürzter Reis. Die Süße von Kardamom und Zimt, Basmatireis, der das Hähnchenfett aufgenommen hat, und ganz zum Schluss ein Hauch Holzkohlenrauch. Ohne sich aufzudrängen wie ein Curry, trägt dieses Gericht die Luft in der Küche mit einem Schlag weit fort.
Das ist Mandi, auf Arabisch مندي, ein jemenitischer Fleischreis. Bekannt vor allem als Gericht aus dem Hadramaut, wird das Fleisch ursprünglich in einem Erdofen langsam gegart, und der Reis darunter fängt Saft und Rauch auf. Zu Hause gräbt niemand einen Ofen, doch zerlegt man das Prinzip, ergeben sich drei Schritte: „Hähnchen röstig anbraten“, „Reis leicht in der Hühnerbrühe garen“ und „zum Schluss kurz Holzkohlenduft übertragen“.
Unsicher ist man bei der Holzkohle. Ihr Duft ist das Herz des Mandi, doch im Innenraum zu übertreiben, ist gefährlich. Dieser Artikel arbeitet mit Schmortopf, Grill oder Backofen und beschränkt den Holzkohlenduft auf eine kurze Methode in gut belüfteter Umgebung. Eine Alternative ohne Kohle gibt es auch: Bringen Sie zuerst Reis und Hähnchen zum Gelingen.
Unter den Reisgerichten der Golfregion schmeckt saudisches Kabsa (auf Japanisch) deutlicher nach mit Tomate und Gewürzen gegartem Reis, und beim bahrainischen Machboos (auf Japanisch) treten Loomi und Rosenwasser hervor. Mandi ist ruhiger: blasser Reis, getragen vom Röstaroma des Fleisches und dem Nachklang des Rauchs.
Das Wort Mandi wird mitunter mit „Tau“, mit Feuchtigkeit in Verbindung gebracht. Am besten versteht man es nicht als trockenes Grillfleisch, sondern als Fleisch, das im geschlossenen Ofen gedämpft gart, während der Reis den Saft aufnimmt. In diesem Artikel heißt es „Mandi“.
Dieses Rezept enthält Hähnchen und Mandeln (Schalenfrüchte). Gewürze aus dem Handel können in Betrieben hergestellt sein, die Weizen, Milch, Sesam oder Schalenfrüchte verarbeiten; Etikett prüfen. Hähnchen garen, bis es innen mindestens 75 °C erreicht oder am Knochen klarer Saft austritt.
Die Geschichte: vom Erdofen im Hadramaut in die heimische Küche

Mandi ist eng mit dem Hadramaut im Südosten des Jemen und der Esskultur im Süden der Arabischen Halbinsel verbunden. Traditionell gart man es in einem senkrechten, in die Erde gegrabenen Ofen, ähnlich einem Tandur. Kohle auf dem Grund, Fleisch darüber aufgehängt, Reis darunter. Der Reis nimmt Fett und Gewürze vom Fleisch auf, und die eingeschlossene Hitze gart das Fleisch, bis es zerfällt. Das ist der Umriss des Mandi.
Zu Hause muss man den Ofen nicht nachahmen. Wichtig ist, Fleisch und Reis nicht zu sehr zu trennen: Hähnchen anbraten, Bräunung und Saft in die Brühe bringen, den Reis in dieser Brühe garen. Zum Schluss mit kurzem Rauch die „Erinnerung an den Ofen“ hinzufügen. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt keinen bloßen Gewürzpilaw, sondern die Geschlossenheit des Mandi.
Mandi, Kabsa und Machboos werden oft unter „nahöstliche Reisgerichte“ zusammengefasst. Beim Vergleich zeigen sich aber unterschiedliche Rollen.
| Gericht | Hauptregion | Geschmacksachse | Schwierigkeit zu Hause |
|---|---|---|---|
| Mandi | Jemen, Region Hadramaut | Fleischsaft, leichte Gewürze, Holzkohlenduft | Holzkohlenduft kurz und sicher übertragen |
| Kabsa | Saudi-Arabien | Mit Tomate, Loomi und Gewürzen gegarter Reis | Wasser für den Reis nicht zu sehr erhöhen |
| Machboos | Bahrain und Golfregion | Loomi, Bezar, Rosenwasser | Duft klar halten und Reis leicht garen |
| Biryani | Südasien | Schichtgaren, Safran, dichte Masala | Garen von Reis und Einlage getrennt steuern |
Spannend am Mandi ist, dass es ohne Gewürzübermaß besser schmeckt. Man verwendet eine jemenitische Gewürzmischung namens Hawaij, doch es kommt nicht auf die Pulvermenge an, sondern darauf, wie der Duft sich entfaltet. Kreuzkümmel, Koriander, Kardamom, schwarzer Pfeffer, Kurkuma und Zimt lösen sich im Öl, verbinden sich mit dem Hähnchenfett, und der Rauch kommt zum Schluss dazu.
Es ist kein Gericht, das wie jordanisches Mansaf (auf Japanisch) von einer milchsauer vergorenen Soße getragen wird, und auch keines, bei dem man das Holzkohlenfeuer frontal schmeckt wie beim irakischen Masgouf (auf Japanisch). Mandi ist ein großes Plattengericht, das man für die Körnigkeit des Reises und den Nachklang seines Dufts isst.
Was man zu Hause statt des Erdofens bewahrt
Wer die Methode vor Ort kopieren will, scheitert zuerst am Gerät: Erdofen, hängendes Fleisch, Kohle am Grund, Reis, der den Saft auffängt. Das alles zusammenzubringen, ist eher eine Frage der Ausstattung als des Familienkochens. Doch der Mechanismus, der den Geschmack ausmacht, lässt sich auf einen Topf übertragen.
| Element der Methode vor Ort | Was man zu Hause bewahrt | Was man ersetzen kann |
|---|---|---|
| Fleisch gart über dem Reis | Hähnchen zuerst anbraten, Saft zurück in den Reis | Schmortopf, Ofen oder Grill statt Erdofen |
| Duft von Holzkohle oder Holz | Zum Schluss kurz räuchern oder stärker bräunen | Wer drinnen unsicher ist, lässt die Kohle weg und nimmt etwas geräuchertes Paprikapulver |
| Leichtigkeit des Langkornreises | Basmati nicht zu lange einweichen, bei schwacher Hitze quellen lassen | Jasminreis geht. Japanischer Reis ergibt ein anderes Reisgericht |
| Zurückhaltende Gewürze | Kreuzkümmel, Koriander, Kardamom und Zimt als Achse | Ohne fertiges Hawaij mit Einzelgewürzen mischen |
| Kleine rote, säuerliche Soße | Zahawiq separat reichen | Schärfe über die Menge grüner Chili familientauglich mildern |
Tage mit Lamm, Tage mit Hähnchen
Mandi ist nicht nur ein Hähnchengericht. Vor Ort und in Restaurants der Golfregion sieht man auch große Platten mit Lammschulter, Lammhaxe oder Zicklein. Zu Hause sind Hähnchenschenkel mit Knochen am einfachsten, doch für besondere Tage vertieft Lamm den Duft des Fetts, das auf den Reis tropft, deutlich.
| Fleisch | Für welchen Anlass | Was man anpasst |
|---|---|---|
| Hähnchenschenkel mit Knochen | Erster Versuch, Wochenendessen, Tisch mit Kindern | Grundmengen dieses Artikels. 15 Min. schmoren, 15 Min. Reis: gart leicht durch |
| Hähnchenschenkel ohne Knochen | An Tagen ohne Stücke mit Knochen | Schmoren auf 10 Minuten verkürzen, beim Reisgaren nur auf dem Reis erwärmen |
| Lammschulter am Stück | Gäste, Plattengericht-Effekt | 700 g in 5-cm-Würfeln 50–60 Minuten bei mittelschwacher Hitze schmoren, dann den Reis garen |
| Lammkoteletts | Wenn die Bräunung zu sehen sein soll | In der Pfanne bei mittlerer Hitze je Seite 3 Minuten braten, Reis separat in Hühnerbrühe garen |
Für die Lammversion ist längeres Schmoren wichtiger als mehr Gewürze. Zu kurz gegart, hat Schulter viel Duft, bleibt aber zäh. Schmoren, bis sich die Fasern unter dem Stäbchen lösen, und erst dann zum Reis übergehen – so entsteht die Einheit von Fett und Reis, die an jordanisches Mansaf (auf Japanisch) oder afghanisches Kabuli Palaw (auf Japanisch) erinnert.
Die Reihenfolge für ein Haus-Mandi lautet also: „leichter Reis, gebräuntes Hähnchen, kurzer Rauch, kleine säuerliche Soße“. Ob man Holzkohle verwendet, ist nur die letzte Stufe; beim ersten Mal muss man nicht gleich zur Originalausstattung greifen.
Zutaten (für 4 Personen)

Beim ersten Mal sind diese Zutaten zu bewahren: Basmatireis, Hähnchen mit Knochen, Kardamom, Zimt, Kreuzkümmel und ein dickwandiger Topf für den Reis. Die Kohle dient nur dem Duft am Ende; an Tagen, an denen Lüftung oder Umgang mit Feuer Sorgen machen, kann man sie weglassen. Ohne Kohle bringt 1/2 TL geräuchertes Paprikapulver die Stimmung näher.
Hauptzutaten
| Zutat | Menge | Ersatz und Hinweise |
|---|---|---|
| Hähnchenschenkel mit Knochen | 4 (ca. 900 g) | 700 g Schenkel ohne Knochen gehen auch. Mit Knochen hat die Brühe mehr Umami |
| Basmatireis | 360 g (ca. 2.3 gō) | Jasminreis geht. Japanischer Reis braucht weniger Wasser und ergibt ein anderes Gericht |
| Zwiebel | 1 (ca. 220 g) | In 2 mm dünnen Scheiben |
| Tomate | 1 (ca. 150 g) | In 1-cm-Würfeln. 120 g stückige Dosentomaten gehen auch |
| Knoblauch | 3 Zehen | Gerieben. Aus der Tube 2 TL |
| Ingwer | 1 Stück (ca. 15 g) | Gerieben. Aus der Tube 1 TL |
| Wasser oder leichte Hühnerbrühe | 700 ml | Stark gesalzene Brühwürfel meiden |
| Neutrales Öl | 2 EL | Mit 1 EL Ghee zusätzlich mehr Duft |
| Salz | 2 TL | Auf Hähnchen, Brühe und Reis verteilen |
Gewürze nach Hawaij-Art
| Zutat | Menge | Ersatz und Hinweise |
|---|---|---|
| Kreuzkümmel, gemahlen | 1 1/2 TL | Basis des Reisdufts |
| Koriander, gemahlen | 1 TL | Heller, fast zitrusartiger Duft |
| Kurkuma | 1/2 TL | Für die Farbe. Zu viel wird bitter |
| Schwarzer Pfeffer | 1/2 TL | Grob gemahlen |
| Kardamom (Kapseln) | 6 | Leicht aufbrechen. Gemahlen 1/3 TL |
| Zimtstange | 1 (5 cm) | Gemahlen 1/4 TL |
| Gewürznelken | 3 | Zu viel, und es riecht nach Arznei |
| Lorbeerblätter | 2 | Gewöhnlicher Lorbeer |
| Getrocknete Limette (Loomi) | 1/2 | Optional. Für leichte Säure im Golfstil; vor dem Reisgaren entfernen |
| Safran | eine Prise (0.2 g) | 1/4 TL Kurkuma nur für die Farbe |
Rauchduft, Finish und Zahawiq
| Zutat | Menge | Ersatz und Hinweise |
|---|---|---|
| Naturholzkohle für Lebensmittel | 1 Stück (daumengroß) | Wer drinnen unsicher ist, ersetzt sie durch 1/2 TL geräuchertes Paprikapulver |
| Öl zum Beträufeln der Kohle | 1/2 TL | Für den Rauch. Nicht viel nehmen |
| Mandeln | 30 g | In der Pfanne ohne Fett geröstet |
| Rosinen | 30 g | Wer Süßes nicht mag, die Hälfte, 15 g |
| Koriandergrün oder Petersilie | 10 g | In 2–3 mm feine Streifen |
| Zitrone | 1/2 | In 4 Spalten |
| Tomaten (für Zahawiq) | 2 (ca. 300 g) | Vollreif |
| Grüne Chili | 1/2 | Für weniger Schärfe entkernen |
| Knoblauch (für Zahawiq) | 1 Zehe | Für den rohen Duft |
| Zitronensaft | 1 EL | Limette geht auch |
| Kreuzkümmel, gemahlen (für Zahawiq) | 1/4 TL | Nicht übertreiben |
| Salz (für Zahawiq) | 1/3 TL | Abschmecken, 1/4 TL mehr möglich |
Hawaij wird oft als „die jemenitische Gewürzmischung“ zusammengefasst, beim Einkauf unterscheidet man aber zwischen der Mischung für Reis und der für Kaffee. Für Reis und Fleisch besteht sie vor allem aus Kreuzkümmel, schwarzem Pfeffer, Kurkuma, Kardamom und Koriander. Die Kaffeemischung betont mitunter Ingwer, Anis und Fenchel; unter demselben Namen lenkt sie Mandi in Richtung süßen Kräutertee.
Wer im orientalischen oder Halal-Laden „Hawaij“ findet, schaut auf die ersten Zutaten des Etiketts. Kreuzkümmel und Koriander vorn: für Reis. Ingwer und Anis vorn: für Getränke. Ohne fertige Mischung genügen die Einzelgewürze aus der Tabelle oben. Es geht nicht ums Scharfmachen, sondern darum, einen trockenen Duft zwischen Hähnchenfett und Reiskörner zu legen.
Mandi wird nur dann nicht schwer von Hähnchenfett und Kohlenduft, wenn die Reiskörner einzeln bleiben. Mit japanischem Reis geht es auch, doch er klebt – heraus kommt ein Reisgericht im Mandi-Stil. Für den Anfang verringert Basmati Fehlschläge.
Mit oder ohne Holzkohle: die Entscheidung
Oft fragt man sich, ob Mandi „ohne Kohle ein anderes Gericht“ ist. Statt das vorschnell zu beantworten, entscheidet man sicherer nach der eigenen Küche.
| Bedingungen der Küche | Empfohlenes Finish | Wie der Duft entsteht |
|---|---|---|
| Gasherd, Dunstabzug, kleines hitzefestes Schälchen, Erfahrung mit Feuer | Ein kleines Stück Naturkohle nur 5 Minuten | Hitzefestes Schälchen auf den fertigen Reis stellen, 1/2 TL Öl auf die glühende Kohle tropfen und sofort zudecken |
| Backofen oder Grill vorhanden | Ohne Kohle, Hähnchen stärker bräunen | Hähnchenhaut zum Schluss bei hoher Hitze bräunen, 1/2 TL geräuchertes Paprikapulver unter den Reis mischen |
| Nur Induktion, schwache Lüftung, Kinder oder Haustiere in der Nähe | Keine Kohle | Hähnchen in der Pfanne kräftig goldbraun braten, mit Zahawiq und Zitrone den Duft straffen |
Auch mit Kohle wird es durch längeres Räuchern nicht authentischer. Der Rauch beim Mandi soll man bei den ersten Bissen nur erahnen. Statt mehr Rauch hat ein Reis, der nicht schwer wird, Vorrang.
Wie nötig sind Loomi und Safran?
Beim Einkauf stellen getrocknete Limette (Loomi) und Safran oft Fragen. Beide tauchen in nahöstlichen Reisgerichten häufig auf, und man meint, je mehr, desto originaler; beim Mandi trennt man ihre Rollen aber besser.
Loomi bringt Säure und leichte Bitterkeit. Während es beim saudischen Kabsa (auf Japanisch) oder bahrainischen Machboos (auf Japanisch) im Zentrum steht, drängt es sich beim Mandi bei zu viel vor den Kohlenduft. Wer es verwendet, sticht 1/2 Limette an, gibt sie in die Brühe und nimmt sie vor dem Reisgaren heraus. Beim ersten Mal weglassen und beim nächsten vergleichen.
Safran bringt dezent Duft und Farbe. Er ist teuer; viel braucht es nicht. Eine Prise in 2 EL lauwarmem Wasser einweichen und vor dem Reisgaren darübergießen genügt. Nur für die Farbe lässt er sich durch Kurkuma ersetzen, doch mehr Kurkuma schmeckt erdig; im Bereich von 1/4 bis 1/2 TL bleiben.
Was die Suche lohnt
Bei Reisgerichten bringt es mehr, Reis, Duft und Temperaturführung nicht zu verfehlen, als Zutaten zu häufen. Basmatireis, Loomi oder nahöstliche Gewürze und ein Einstichthermometer dienen nicht nur für Mandi, sondern auch für Kabsa oder Machboos.
Zubereitung: im Topf garen, Rauch kurz übertragen
Mandi wirkt aufwendig, doch es gibt nur zwei Höhepunkte am Herd: Hähnchen anbraten und Brühe gewinnen, Reis bei schwacher Hitze garen und quellen lassen. Der Rauch ist nur eine Hilfslinie zum Schluss; nicht zu lange einwirken lassen.
Das Gargerät wählen
Die Grundmethode dieses Artikels kommt mit dem Schmortopf allein aus. Wer Backofen oder Grill hat, steigert die Zufriedenheit auch ohne Kohle, indem er das Röstaroma des Hähnchens separat verstärkt.
| Gerät | Passende Methode | Achtung |
|---|---|---|
| Dickwandiger Topf | Grundform: Hähnchen anbraten und Reis im selben Topf garen | Dünner Boden lässt den Reis anbrennen. Nach dem Herunterschalten nicht mehr rühren |
| Backofen | Hähnchen 8–10 Minuten bei 220 °C bräunen, Haut knusprig | Erst nach dem Reisgaren nur das Hähnchen backen. Reis nicht austrocknen |
| Grill | Haut an Tagen ohne Kohle kräftig bräunen | 3–5 Minuten bei mittlerer bis starker Hitze. Sofort aufhören, wenn es anbrennt |
| Reiskocher | Nur den Reis gleichmäßig garen | Hähnchen und Brühe im anderen Topf zubereiten und dann umfüllen. Keine Kohle |
Zuerst nur mit dem Schmortopf, beim zweiten Mal Backofen oder Grill dazunehmen – so misslingt weniger. Mehr Geräte bringen einen nicht unbedingt näher ans Original; sie erweitern nur die Möglichkeiten, das Hähnchen zu bräunen.











