In Bhutan ist Chili ein „Gemüse“
Der Morgenmarkt in Thimphu. In der kalten Himalaya-Luft sind farbenfrohe Chilis zu Bergen gestapelt: grün, rot, gelb. Die Menge, die Bhutaner kaufen, ist für Außenstehende kaum zu glauben: Man spricht in Kilos. Sie kaufen sie nicht als Gewürz, sondern als Gemüse.
Ema Datshi ist das Nationalgericht Bhutans. Obwohl es zum südasiatischen Esskulturkreis gehört, zeichnet es sich dadurch aus, dass Chili hier als vollwertiges Gemüse gilt. Ema heißt auf Dzongkha, der Amtssprache Bhutans, Chili und Datshi Käse: Es ist also wörtlich Chili in Käse. Die Chili spielt die Rolle des Hauptgemüses und schmort im Käse.
Ema Datshi ist der Gipfel dieser Chili-Kultur.
Auf Dzongkha bedeutet Ema Chili und Datshi Käse. Es ist ein Nationalgericht, das mit rotem Reis serviert wird. Je nach Chilisorte, Schnitt und Käse gibt es unzählige Varianten.
Zutaten (4 Portionen)
Bhutanische Chilis sind größer und fleischiger als gewöhnliche grüne Chilis. Für zu Hause ist die beste Kombination 8 milde Shishito-Paprika + 4 grüne Chilis. Die milden Paprika geben Volumen, die grünen Chilis die Schärfe. Wer Schärfe scheut, kann es auch nur mit den milden Paprika zubereiten. Wer es sehr scharf mag, gibt 1 Habanero dazu. Schneiden Sie die Chilis der Länge nach durch und entfernen Sie die Kerne nicht: So macht man es in Bhutan. Schmoren die Kerne mit, verbinden sich Schärfe und Sauce.

Den Käse auswählen
| Käse | Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Feta + Mozzarella | Optimal | Die Salzigkeit des Fetas und die Zugfähigkeit der Mozzarella kommen dem Original nahe |
| Hüttenkäse + Scheibenkäse | Gut | Für den kleinen Geldbeutel. Der Scheibenkäse sorgt für die Sämigkeit |
| Frischkäse | Möglich | Fettreich: die Butter verringern |
| Schmelzkäse (Ecken) | Möglich | Praktisch, aber der Geschmack weicht vom Original ab |
Der traditionelle bhutanische Datshi ist ein lokaler Käse, der außerhalb des Landes schwer zu bekommen ist. Eine Mischung aus Feta (salzig, bröckelig) und Mozzarella (schmelzend) im Verhältnis 7:3 kommt dem Geschmack am nächsten. Frischkäse allein ist zu reichhaltig und entfernt sich vom schlichten Geschmack Bhutans.
Dieses Gericht enthält Milchprodukte (Käse, Butter). Menschen mit Milchallergie sollten es nicht essen. Es enthält kein Ei, doch manche Käseprodukte aus dem Handel können Eibestandteile enthalten. Prüfen Sie stets die Zutatenliste.
Zubereitung
Ema Datshi kochen
Ema Datshi ist ein erstaunlich einfaches Gericht: Man gibt die Zutaten in einen Topf und lässt sie schmoren. Doch in dieser Einfachheit steckt das ganze Wissen der bhutanischen Esskultur.
In Bhutan ist roter Reis statt weißem Reis das Hauptnahrungsmittel. Für eine bhutanische Art kochen Sie roten Reis und geben reichlich Ema Datshi darüber. Auch mit weißem Reis schmeckt es, doch die Kombination aus dem schlichten Geschmack des roten Reises und der Käsesauce ist die des Originals. Gibt es keinen roten Reis, ergibt Naturreis eine ähnliche Textur.
Die Geschichte des Gerichts: Warum sich das kleine Himalaya-Land in die Chili verliebte
Die Geschichte von Ema Datshi ist mit der Geschichte Bhutans selbst verbunden.
Die Chili stammt aus Mittel- und Südamerika. Ende des 15. Jahrhunderts brachte Kolumbus sie nach Europa, und im 16. Jahrhundert führten die Portugiesen sie in Indien ein. Von Indien aus gelangte sie nach Norden und über die Himalaya-Kette nach Bhutan.

Man kann annehmen, dass Klima und Geografie beim Aufstieg der Chili in Bhutan eine Rolle spielten. Die Bhutaner leben auf 2.000 bis 4.000 m Höhe, immer nah an der Kälte, und das Capsaicin der Chili wärmt den Körper. Chili lässt sich auch auf den begrenzten Anbauflächen des Landes ziehen und hält sich getrocknet.
Der Käse (Datshi) ist älter als die Chili, und die Verbindung „Chili + Käse“ entstand, als die Chili zur lokalen Küche hinzukam. Das ist die Geburt von Ema Datshi.
Bhutan verfolgte lange eine Politik der Abschottung. Ausländer wurden erst 1974 ins Land gelassen. Das Fernsehen begann 1999 zu senden, im selben Jahr wurde das Internet eingeführt. 2008 wechselte Bhutan zur konstitutionellen Monarchie und die Modernisierung beschleunigte sich. In Städten wie Thimphu und Paro eröffneten indische und chinesische Restaurants, doch Ema Datshi bleibt die Mitte des bhutanischen Tisches. Die bhutanische Regierung erhebt das Bruttonationalglück (BNG) zum Staatsprinzip.
1972 erklärte der vierte König Bhutans, das BNG sei wichtiger als das BIP (Bruttoinlandsprodukt), und das Land verfolgt eine Politik, die das Glück der Bevölkerung vor das Wirtschaftswachstum stellt. Die Esskultur Bhutans gehört zu einem der Bestandteile des BNG, „Bewahrung und Förderung der Kultur“.
Kochtipps: fünf Techniken für perfektes Ema Datshi

1. Chilis „der Länge nach halbieren“
Schneidet man Chilis in Ringe, löst sich die Schärfe auf einmal, und die ganze Sauce wird sehr scharf. Halbiert man sie der Länge nach, behalten die Chilis ihre Form, und man erhält die bhutanische Art, bei der sich die Schärfe beim Zubeißen im Mund ausbreitet. Entfernen Sie die Kerne nicht.
2. Die Käsemischung gut abstimmen
Der bhutanische Datshi ist außerhalb des Landes schwer zu bekommen. Der beste Ersatz ist die Kombination aus 140 g Feta und 60 g Mozzarella. Die Salzigkeit und bröckelige Textur des Fetas erinnern an Datshi, die Zugfähigkeit der Mozzarella sorgt für Sämigkeit. Mit Feta allein fehlt der Sauce die Sämigkeit, mit Mozzarella allein schmeckt sie fade.
3. Bei der Butter lieber „zu viel“
Die bhutanische Küche verwendet viel Butter. In kalten Hochlagen braucht man kalorienreiche Kost. Spart man bei der Butter, fehlt der Sauce die Fülle. Die 2 EL im Rezept sind das Minimum. Denken Sie an die Bedeutung der Butter wie beim Dal Bhat (dem nepalesischen Linsencurry-Menü), einer weiteren Hochlandküche Südasiens.
4. Nicht zu viel Wasser
200 ml Wasser genügen. Mit zu viel Wasser wird der Käse wässrig, und die Sämigkeit von Ema Datshi geht verloren. Da die Chilis Wasser abgeben, kann man zu Beginn wenig zugeben und beim Schmoren nach und nach nachgießen. Ideal ist eine Sauce, die etwas flüssiger ist als eine Rahmsuppe.
5. Nicht zu viel rühren
Rührt man nach der Käsezugabe zu viel, klebt der Käse am Topfboden oder wird gummiartig. Schalten Sie nach der Käsezugabe auf niedrige Hitze und schwenken Sie den Topf nur ab und zu. Warten Sie, bis der Käse von selbst schmilzt und sich mit der Sauce verbindet. Man muss nicht stundenlang schmoren wie beim Nihari (auf Japanisch): Fertig ist es, wenn der Käse geschmolzen ist.
Varianten von Ema Datshi: „Datshi“ ist unendlich
Auf bhutanischen Tischen stehen neben Ema Datshi auch andere Gerichte vom Typ „○○ Datshi“. Datshi (im Käse Geschmortes) ist eine Grundtechnik der bhutanischen Küche, die sich auch auf andere Zutaten als Chili anwenden lässt.

Typische Datshi-Gerichte Bhutans
| Name | Zutat | Besonderheit |
|---|---|---|
| Ema Datshi | Chili | Nationalgericht. Das Rezept dieses Artikels |
| Shamu Datshi | Pilze | Im Käse geschmorte Pilze |
| Kewa Datshi | Kartoffeln | Im Käse geschmorte Kartoffeln |
| Gondo Datshi | Eier | Im Käse geschmorte Eier |
Der Aufbau ist Butter + Käse + etwas Chili + Hauptzutat. In der bhutanischen Küche ist Chili nicht nur ein Gewürz, sondern eine Grundwürze.
Ersetzen Sie einfach die Chilis des Ema Datshi durch 200 g Shimeji, und schon haben Sie Shamu Datshi (im Käse geschmorte Pilze). Mit 3 milden Paprika bringen Sie die bhutanische Schärfe dazu. Gängige Pilze (Shimeji, Enoki, Kräuterseitlinge) sind nicht die Pilze Bhutans, passen aber hervorragend zu Käse. Die Fülle der Pilze und die Kraft des Käses ergeben einen sanften Geschmack, der vielen schmecken dürfte.
Die Esskultur des Ema Datshi: der Tisch im „Land des Glücks“
Ema Datshi ist der Alltag selbst in Bhutan.
Zu Festen. Bei den religiösen Festen (Tsechu) Bhutans finden in den Klosterhöfen Maskentänze statt, und zwischen den Aufführungen gibt es eine Mahlzeit aus rotem Reis und Ema Datshi. An Festtagen legt man auch auf die Qualität der Chilis Wert und verwendet frische einheimische Chilis.

Chilis beim Trocknen. Im bhutanischen Herbst liegen rote Chilis dicht an dicht auf den Dächern der Bauernhäuser in der Sonne zum Trocknen. Das Bild ist eine saisonale Szene Bhutans und häufig auf Reisefotos. Getrocknete Chilis dienen im Winter als Zutat für Ema Datshi. Frische und getrocknete Chilis schmecken unterschiedlich, und man verwendet sie je nach Jahreszeit.
Zutatenführer: Die Zutaten für Ema Datshi zusammenstellen

Die Zutaten für Ema Datshi sind in der Regel problemlos zu bekommen. Die einzige Schwierigkeit ist der Ersatz für den lokalen Käse Bhutans, doch die Kombination aus Feta und Mozzarella gibt ihn recht gut wieder.
Ersatztechniken
| Zutat | Ersatz | Unterschied im Ergebnis |
|---|---|---|
| Bhutanischer Käse (Datshi) | Feta + Mozzarella (7:3) | Geschmack und Textur am nächsten |
| Grüne Chilis | Milde Paprika + Chilipulver | Volumen, aber weniger Schärfe |
| Roter Reis | Naturreis | Textur ähnlich. Die Farbe unterscheidet sich |
| Einheimische Butter | Normale Butter | Geschmack etwas anders, aber ausreichend |
Häufige Fragen

Q1. Ist es wirklich so scharf?
Das Rezept dieses Artikels stellt die Schärfe auf Leser ein, die die bhutanische Schärfe nicht gewohnt sind. Mit mehr milden Paprika bleibt die Schärfe moderat. Das Milchfett des Käses mildert die Schärfe, es lässt sich also vermutlich leichter essen, als Sie denken.
Q2. Können auch Kinder es essen?
Mit nur milden Paprika und ohne grüne Chilis können es auch Kinder essen. Ein Schmorgericht aus Käse und milden Paprika kommt bei Kindern oft gut an.
Q3. Kann man auch anderes Gemüse als Chili nehmen?
Auf bhutanischen Tischen gibt es Varianten mit anderem Gemüse wie „Shamu Datshi“ (Pilze) und „Kewa Datshi“ (Kartoffeln). Probiert man andere Gemüse, passen Zucchini, Aubergine und Brokkoli gut zu Käse. Wenn es aber „Ema Datshi“ heißen soll, ist Chili unverzichtbar.
Q4. Schmeckt es am nächsten Tag besser?
Ema Datshi ist frisch zubereitet am besten. Der Käse wird mit der Zeit fest, und beim Aufwärmen kann die Textur gummiartig werden. Am besten isst man alles am selben Tag. Bleibt etwas übrig, erwärmen Sie es bei niedriger Hitze unter Zugabe von etwas Wasser.
Q5. Ich möchte mehr über die bhutanische Küche wissen.
Neben Ema Datshi sind Shamu Datshi (im Käse geschmorte Pilze), Kewa Datshi (im Käse geschmorte Kartoffeln), Phaksha Paa (Schweinefleisch mit Chilis gebraten) und Jasha Maroo (Hähnchen mit Chilis geschmort) typisch. In Südasien bilden Dal Bhat (Nepal), Nihari (Pakistan, auf Japanisch) und Khichdi (Indien, auf Japanisch) als Nationalgerichte ihrer Länder jeweils eine reiche Esskultur.
Q6. Wo bekomme ich roten Reis?
Suchen Sie bhutanischen roten Reis im Asialaden, Bioladen oder online. Auch andere rote Reissorten eignen sich. Kocht man normalen weißen Reis mit 10–20 % rotem Reis, wirkt der Teller ebenfalls bhutanisch. Kochen Sie roten Reis allein, nehmen Sie die 1,2-fache Wassermenge und weichen ihn vor dem Kochen 30 Minuten ein.
Q7. Welche Getränke passen zu Ema Datshi?
In Bhutan ist Buttertee (Suja) die klassische Begleitung. Eine einfache Version erhält man, indem man gesalzene Butter in schwarzem Tee auflöst. Zum Dämpfen der Schärfe empfiehlt sich ein Lassi (Joghurtgetränk). Bei Alkohol gibt es in Bhutan das Bier Druk Lager; ist es bei Ihnen nicht erhältlich, ersetzen Sie es durch ein leichtes Lager.
Quellen

Dieser Artikel stützt sich hauptsächlich auf englischsprachige Quellen und Artikel.
- Ema datshi - Wikipedia (English) — Überblick über Geschichte, Varianten und kulturellen Hintergrund von Ema Datshi
- Bhutanese Ema Datshi Recipe - Serious Eats — Rezepterläuterung auf Grundlage der Kochwissenschaft
- The National Dish of Bhutan - Atlas Obscura — Reportage über die Esskultur Bhutans
Verwandte Artikel: Gewürzte Küche Südasiens
Nationalgerichte Südasiens: Dal Bhat ist das nepalesische Linsencurry-Menü, ein Gericht aus demselben Himalaya-Kulturkreis wie Ema Datshi. Nihari (auf Japanisch) ist das würzige Rinderschmorgericht Pakistans, bei dem sich die Gewürze über Stunden auflösen. Khichdi (auf Japanisch) ist der indische Linsenbrei, ein sanftes südasiatisches Hausgericht.
Die Welt der scharfen Gerichte: Kottu ist das auf der Platte gebratene Gericht Sri Lankas mit kräftiger Chilischärfe. Gapao ist das thailändische Basilikum-Pfannengericht, das Chili anders einsetzt als Ema Datshi. Der grüne Papayasalat (Som Tam) (auf Japanisch) ist der thailändische Salat, dessen sehr scharfe Version ebenfalls Schärfe hat.
Gerichte mit Käse in aller Welt: Khachapuri ist das georgische Käsebrot. Plăcintă (auf Japanisch) ist die rumänische Käsepastete. In allen spielt der Käse die Hauptrolle, doch die Kombination mit Chili ist eine Besonderheit Bhutans.
Zum Schluss: das einfachste Nationalgericht der Welt
Ema Datshi ist ein Gericht aus in Käse geschmorten Chilis. Das Rezept hat 4 Schritte, die Kochzeit beträgt 30 Minuten. Keine besondere Technik, keine komplizierte Gewürzmischung. Dennoch bleibt diese einfache Idee, „Chilis in Käse zu schmoren“, eine Besonderheit Bhutans.
Den Körper mit Käse und Chili in den kalten Hochlagen des Himalaya zu wärmen: Dieses schlichte Tun trägt den bhutanischen Tisch seit langem. In der Mitte des Tisches im „Land des Glücks“ stehen weder luxuriöse Zutaten noch komplizierte Techniken, sondern nur Chili und Käse. Es ist ein Gericht, das man in einer einzigen Pfanne und in 30 Minuten in jeder Küche zubereiten kann.









