Ropa Vieja, kubanisches Nationalgericht: von Hand zerzupftes Rindfleisch in Tomaten-Paprika-Sauce, dazu weißer Reis und schwarze Bohnen
Vorbereitung20 Min.
Garzeit2 Std. 30 Min.
Portionen6 Portionen
KücheKubanisch

Ropa Vieja: der kubanische Rindfleischeintopf mit Tomaten

Das authentische Rezept für Ropa Vieja, das kubanische Nationalgericht. Flankensteak, lange mit Gewürzen und Tomaten geschmort und von Hand zerzupft, mit Zutaten aus dem Supermarkt nachgekocht. Vom Sofrito über das Zerzupfen des Fleisches bis zur Kombination mit Reis und schwarzen Bohnen – ein vollständiger Leitfaden nach englischsprachigen Quellen.

Gesamt: 2 Std. 50 Min.Schwierigkeit: Mittel

Cooking flow

Zubereitung

STEP 11 / 6

Das Rindfleisch vorgaren (1 Std. 30 Min.)

1 h 30 min

Das Rindfleisch wird im Topf langsam vorgegart, an der Oberfläche schwimmt Schaum
Vorgaren des Flankensteaks. Bei niedriger Hitze 1,5 Stunden. Sorgfältiges Abschäumen ergibt eine klare Brühe

Das Flankensteak in 3 bis 4 cm dicken Stücken in einen großen Topf geben und mit Wasser bedecken (etwa 1.5 Liter). 2 Lorbeerblätter, die äußeren Zwiebelschalen (falls vorhanden) und 2 mit der flachen Messerklinge leicht angedrückte Knoblauchzehen zugeben, sodass der Duft frei wird. Bei starker Hitze aufkochen, sorgfältig abschäumen, dann auf niedrige Hitze zurückschalten, zudecken und 1 Stunde 30 Minuten sanft köcheln.

Lässt sich das Fleisch leicht mit der Gabel zerteilen, ist es gar. 500 ml der Kochbrühe beiseitestellen: Sie ist die Basis der Sauce. Auch ohne Brühpulver gibt diese Kochbrühe allein genug Umami.

Das Vorgaren nicht auslassen

Manche Schnellrezepte lassen das Vorgaren weg und schmoren direkt, doch beim Vorgaren lösen sich die Fasern des Fleisches so weit, dass es sich schön von Hand zerzupfen lässt. Im Schnellkochtopf verkürzt es sich auf 40 Minuten.

STEP 22 / 6

Das Fleisch von Hand zerzupfen (10 Min.)

10 min

Das Rindfleisch wird mit zwei Gabeln längs der Fasern zerzupft
Der Kern der Ropa Vieja: das Zerzupfen. Mit zwei Gabeln längs der Fasern auseinanderreißen. Ausreichend gegartes Fleisch zerfällt erstaunlich leicht

Das gegarte Fleisch herausnehmen und etwa 10 Minuten abkühlen lassen. Auf dem Schneidbrett mit zwei Gabeln längs der Fasern fein zerzupfen. Ideal ist die Dicke eines Einweg-Essstäbchens.

Das ist der wichtigste Schritt der Ropa Vieja. Zupfen Sie sorgfältig, bis ein Aussehen wie zerfetzter Stoff entsteht, das dem Namen „Ropa Vieja (alte Kleider)“ gerecht wird, und das Fleisch zwischen den Fingern zart zerfällt. Quer zur Faser geschnitten bleibt es nur ein Fleischklumpen.

Der Trick beim Zerzupfen

Manche sagen, man solle das Fleisch noch heiß zerzupfen, andere, man solle es etwas abkühlen lassen, um sich nicht zu verbrennen. Am besten ist ein Zustand, in dem man es anfassen kann (etwa 60 Grad). Ganz kalt werden die Fasern fest und lassen sich schlecht zerzupfen. Halten Sie in jeder Hand eine Gabel und ziehen Sie von beiden Enden des Fleisches nach außen: So wird es gleichmäßig.

STEP 33 / 6

Das Sofrito zubereiten (15 Min.)

15 min

Schritt, in dem Zwiebel und Paprika in der Pfanne für das Sofrito angebraten werden
Zubereitung des Sofrito. Die Zwiebel beginnt zu karamellisieren, Rot und Grün der Paprika treten in der Pfanne hervor. Der Duft von Kreuzkümmel steigt auf

In einer großen Pfanne (oder einem flachen Topf) 3 EL Olivenöl bei mittlerer Hitze erhitzen. Die gehackte Zwiebel zugeben und 5 Minuten braten, bis sie glasig ist. Den gehackten Knoblauch zugeben und 1 Minute braten, bis der Duft aufsteigt.

Die Paprikastreifen zugeben und 3 Minuten braten, bis sie weich werden. Kreuzkümmel, Oregano und geräuchertes Paprikapulver zugeben und 30 Sekunden braten, bis der Gewürzduft aufsteigt. Ständig rühren, damit nichts anbrennt.

Was ist Sofrito?

Sofrito ist die Aromabasis der lateinamerikanischen Küche. Vom spanischen „sofreír“ (langsam anbraten) abgeleitet, besteht es in Kuba klassisch aus Zwiebel, Knoblauch, Paprika und Tomate. Auch in der brasilianischen Feijoada verwendet man eine ähnliche Basis (Refogado): Die Schmorgerichte Lateinamerikas funktionieren ohne diese Aromabasis nicht.

STEP 44 / 6

Die Tomatensauce zubereiten (10 Min.)

10 min

Das Sofrito mit Dosentomaten und Weißwein kocht
Die Tomatensauce kocht. Der Moment, in dem der Alkohol des Weißweins verdampft und Tomatensäure und Gewürze eins werden

Zum Sofrito die geschälten Tomaten aus der Dose zugeben und dabei mit der Hand zerdrücken. Lässt man in einer groben Sauce einige etwa 2 cm große Stücke übrig, bleibt auch nach dem Schmoren die Textur der Tomate erhalten. 2 EL Tomatenmark, 120 ml Weißwein und die beiseitegestellten 500 ml Kochbrühe angießen. 1 TL Zucker zugeben und bei mittlerer Hitze aufkochen, dann auf niedrige Hitze zurückschalten.

Mit 1 TL Salz und 1/2 TL schwarzem Pfeffer abschmecken. Die Sauce etwa 10 Minuten köcheln, bis sie leicht bindet.

STEP 55 / 6

Das Fleisch in der Sauce schmoren (30 Min.)

30 min

Das zerzupfte Rindfleisch schmort in der Tomatensauce, Oliven und Kapern sind zu sehen
Das zerzupfte Rindfleisch versinkt in der Tomatensauce. Das Salz der grünen Oliven und die Säure der Kapern geben dem Eintopf Tiefe

Das auf die Dicke eines Essstäbchens gebrachte, zerzupfte Rindfleisch in die Sauce geben und gut vermengen, bis jede Faser des Fleisches von der roten Sauce umhüllt ist. Grüne Oliven und Kapern darüberstreuen. Zugedeckt 30 Minuten bei niedriger Hitze schmoren. Zwischendurch einmal umrühren und bei zu wenig Flüssigkeit Kochbrühe nachgießen.

Ideal ist das Ergebnis, wenn das Fleisch die Sauce gut aufgesogen hat, wenig Flüssigkeit übrig ist und am Pfannenboden nur eine dünne Schicht Sauce bleibt. Zu viel Wasser ergibt einen verwaschenen Geschmack: Den Deckel abnehmen und Wasser verdampfen. Zum Schluss mit Salz abschmecken.

Oliven und Kapern zum Schluss

Manche geben sie in den letzten 15 Minuten des Schmorens zu, andere von Anfang an. Gibt man sie zum Schluss zu, bleiben die Textur der Oliven und das Aroma der Kapern erhalten, und der Geschmacksakzent tritt deutlicher hervor. Nach Geschmack einstellen.

STEP 66 / 6

Die Beilagen vorbereiten und anrichten (10 Min.)

10 min

Angerichtete Ropa Vieja mit weißem Reis, schwarzen Bohnen und Maduros
Traditionelles Anrichten der Ropa Vieja. In der Mitte zerzupftes Rindfleisch in Tomatensauce, links weißer Reis und schwarze Bohnen, rechts süß gebratene Kochbananen. Mit Limette abschließen

Weißen Reis kochen und die aus der Dose genommenen schwarzen Bohnen bei mittlerer Hitze leicht erwärmen. Kochbananen, falls vorhanden, schräg in 1 cm dicke Scheiben schneiden und in Butter von beiden Seiten braun braten (Maduros).

Reis auf den Teller geben, schwarze Bohnen dazulegen und in die Mitte reichlich Ropa Vieja geben. Die Maduros daneben legen, Korianderblätter (falls vorhanden) darüberstreuen, fertig. Mit Limettensaft rundet sich alles ab.

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Ingredients

Zutaten

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Hauptzutaten

Zutat Menge Ersatz und Hinweise
Flankensteak (Bavette) 800 g Rinderhesse, Schulter oder Wadenfleisch gehen auch. Ein Stück wählen, das sich längs der Fasern zerzupfen lässt
Geschälte Tomaten aus der Dose (ganz) 400 g (1 Dose) Mit der Hand zerdrücken
Tomatenmark 2 EL Basis der Fülle
Paprika (1 rote, 1 grüne) 200 g insgesamt In Streifen. Gewöhnliche grüne Paprika geht auch
Zwiebel 1 große Grob gehackt
Knoblauch 6 Zehen Gehackt
Grüne Oliven (entsteint) 60 g In Scheiben schneiden
Kapern 1 EL Entsalzen
Trockener Weißwein 120 ml Japanischer Kochsake geht auch
Rinderbrühe 500 ml Brühepulver mit Wasser geht
Lorbeerblätter 2 —
Olivenöl 3 EL —
Das richtige Flankensteak wählen

In Kuba verwendet man traditionell das „Falda“ genannte Flankensteak. In Supermärkten sieht man es selten, doch Bavette, Zwerchfell oder Rinderhesse gehen als Ersatz. Entscheidend ist, ein Stück mit deutlichen Fasern zu wählen, das sich nach dem Schmoren von Hand zerzupfen lässt. Roastbeef und Filet haben zu feine Fasern und ergeben nicht die zerzupfte Textur der Ropa Vieja. Manchmal findet man es in Großmärkten oder Läden für Importfleisch.

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Würzung des Sofrito (Aromabasis)

Zutat Menge Ersatz und Hinweise
Kreuzkümmel, gemahlen 2 TL Das Grundgewürz der Ropa Vieja
Oregano (getrocknet) 1 TL Mexikanischer Oregano ist ideal
Paprikapulver (geräuchert) 1 TL Spanisches Pimentón ist am besten
Salz 1 TL Beim Abschmecken anpassen
Schwarzer Pfeffer 1/2 TL —
Zucker 1 TL Rundet die Säure der Tomate ab
Kreuzkümmel ist die Seele der Ropa Vieja

Ohne Kreuzkümmel wird Ropa Vieja zu einem gewöhnlichen Tomatenschmorgericht. Wenn möglich, die ganzen Kreuzkümmelsamen vor dem Zerstoßen in der Pfanne trocken rösten: Der Duft ist viel intensiver als bei gekauftem Pulver.

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Beilagen

Zutat Menge Ersatz und Hinweise
Weißer Reis 3 gō Jasminreis geht auch
Schwarze Bohnen (aus der Dose) 400 g (1 Dose) Der Klassiker in Kuba
Kochbananen (falls vorhanden) 2 Süße Bananen gehen als Ersatz
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Das Nationalgericht namens „alte Kleider“

Es gibt ein Gericht, das auf kubanischen Tischen nicht fehlen darf. Sein Name ist Ropa Vieja: auf Spanisch „alte Kleider“ oder „Lumpen“. Der Name soll daher kommen, dass das lange geschmorte und von Hand in feine Fasern zerzupfte Rindfleisch aussieht wie zerfetzter Stoff.

Der Name lässt nichts vom Aussehen ahnen, doch schon beim ersten Bissen ist man überzeugt. Zartes, längs der Fasern zerzupftes Rindfleisch, umhüllt von süßsaurer Sauce aus Tomaten und Paprika, mit dem Duft von Kreuzkümmel und Oregano in der Nase. Das ist kein „Lumpen“, sondern ein Meisterwerk unter den Schmorgerichten der süd- und mittelamerikanischen Küche (auf Japanisch).

Was ist Ropa Vieja?

Auf Spanisch bedeutet „ropa“ Kleidung und „vieja“ alt. Es ist ein Gericht aus lange geschmortem Flankensteak (Bavette), von Hand zerzupft und mit Tomaten, Paprika, Oliven und Kreuzkümmel gewürzt. Über die Kanarischen Inseln nach Kuba gelangt, verband es sich mit den örtlichen Zutaten und nahm seine heutige Form an.

Auf Japanisch findet man kaum ausführliche Rezepte für „Ropa Vieja“. In der englischsprachigen Welt sind unzählige Rezepte und kulturelle Erläuterungen zu „Ropa Vieja“ veröffentlicht, doch wie man das Sofrito macht, welche Tricks es beim Zerzupfen des Fleisches gibt und warum dieses Gericht die Identität Kubas ausmacht, wird dort noch nicht ausreichend vorgestellt. Obwohl es wie die Feijoada aus Brasilien und die Bandeja Paisa aus Kolumbien (auf Japanisch) zu den großen Eintöpfen Lateinamerikas gehört, ist seine Bekanntheit heute sehr gering. Dieser Artikel erklärt nach englischsprachigen Primärquellen, wie man authentische Ropa Vieja in der heimischen Küche nachkocht.


Zutaten (für 6 Portionen)



Kochtipps

Beim Rindfleisch gilt „niedrige Temperatur, lange Zeit“

Das Ergebnis der Ropa Vieja hängt von der Qualität des Vorgarens ab. Im sprudelnd kochenden Wasser wird das Fleisch trocken. Ideal ist sanftes Köcheln, bei dem die Oberfläche nur leicht wellt. Geduld (Paciencia) ist das beste Gewürz. Im Schnellkochtopf 40 Minuten, im Slow Cooker sind 8 Stunden auf niedriger Stufe ideal.

Geräuchertes Paprikapulver entscheidet

Zwischen gewöhnlichem Paprikapulver und geräuchertem (Pimentón) ist das Ergebnis völlig verschieden. Der spanische Pimentón de la Vera hat ein besonderes Raucharoma, das über Eichenholz entsteht, und gibt der Ropa Vieja Tiefe. „Dulce“ (mild) ist für Ropa Vieja am besten geeignet. Wie die getrockneten Chilis im mexikanischen Mole Poblano ist geräuchertes Paprikapulver der „heimliche Star“ der Ropa Vieja.

Grüne Oliven richtig auswählen

In der kubanischen Küche sind spanische grüne Oliven der Sorte Manzanilla klassisch. Gewöhnliche entsteinte grüne Oliven genügen. Mit Pimiento gefüllten (roter Paprika) Oliven wird es farbenfroher. Schwarze Oliven schmecken anders: Bleiben Sie bei den grünen.

Am nächsten Tag noch besser

Wie jedes Schmorgericht wird Ropa Vieja am nächsten Tag durchgezogen und deutlich besser. Am Wochenende viel kochen, in den Kühlschrank stellen und unter der Woche zum Abendessen aufwärmen ist ein Klassiker. Im Kühlschrank 4 Tage, im Gefrierfach 1 Monat haltbar.

Ropa Vieja in einem Paladar (Familienrestaurant) in der Altstadt von Havanna
Ropa Vieja, serviert in einem Paladar (privates Restaurant) in Havanna. Farbige Paprika und Oliven treten hervor, im Hintergrund stehen Oldtimer in den Straßen Havannas

Varianten

Varianten der Ropa Vieja: Hähnchen- und Jackfruchtversion nebeneinander
Ropa Vieja lässt sich nicht nur mit Rind, sondern auch mit Hähnchen oder Jackfrucht machen. In kubanischen Haushalten passt man sich flexibel den Zutaten des Tages an

Slow-Cooker-Version (8 Stunden stehen lassen)

Die einfachste Version. Das rohe Rindfleisch direkt in den Slow Cooker geben, dazu Dosentomaten, Gewürze, Paprika, Zwiebel und Knoblauch. 8 Stunden auf niedriger Stufe stehen lassen. Morgens eingestellt, ist es abends bei der Heimkehr fertig. Das Fleisch lässt sich im Topf zerzupfen. Da der Schritt des Sofrito entfällt, ist die Fülle etwas geringer, aber zum Vorkochen unter der Woche ideal.

Schnellkochtopf-Version (1 Stunde)

Das Vorgaren verkürzt sich im Schnellkochtopf auf 40 Minuten, das Schmoren unter Druck dauert 15 Minuten. Insgesamt kann man in einer Stunde authentische Ropa Vieja machen. Eine Schnellversion für hektische Tage.

Hähnchenbrust-Version (Ropa Vieja de Pollo)

Eine Variante, die in Kuba entstand, als Rindfleisch teuer war. 600 g Hähnchenbrust kochen und zerzupfen, dann mit demselben Sofrito und derselben Tomatensauce schmoren. Das Vorgaren dauert nur 30 Minuten und geht schneller. Hähnchen hat weniger kräftiges Umami als Rind, ergibt aber ein leichteres Ergebnis, das im Sommer geschätzt wird.

Schweinefleisch-Version

Im Landesinneren Kubas gibt es auch eine Variante mit Schweineschulter. 800 g Schweineschulter 2 Stunden vorgaren, von Hand zerzupfen und dann schmoren. Die Verbindung des süßen Schweinefetts mit der Säure der Tomate hat einen anderen Reiz als die Rindfleischversion. Zusammen mit dem Mofongo aus Puerto Rico (auf Japanisch) zu essen, ist ebenfalls eine Art, Lateinamerika zu genießen.

Vegetarische Version (Jackfrucht)

Es gibt auch eine Version mit Jackfrucht (junge Jackfrucht aus der Dose). Das Fruchtfleisch der Jackfrucht hat, mit der Gabel zerzupft, eine erstaunlich fleischähnliche Textur. Gewürze und Sauce macht man genau im selben Verhältnis: auch für alle empfehlenswert, die sich pflanzlich ernähren.


Hintergrund des Gerichts

Von Spanien in die Karibik: der Ursprung der Ropa Vieja

Der Ursprung der Ropa Vieja liegt im mittelalterlichen Spanien, genauer auf den Kanarischen Inseln. Als die Spanier in die Karibik zogen, verband sich das von Auswanderern von den Kanaren mitgebrachte Gericht mit den kubanischen Zutaten und nahm seine heutige Form an.

Man sagt, dass die Ropa Vieja im spanischen Festland ursprünglich ein Gericht war, das Fleischreste des Cocido, des Kichererbseneintopfs, verwertete: Das am Vortag im Cocido gegarte Rindfleisch wird zerzupft und mit Tomaten und Zwiebeln neu angebraten, eine „Resteküche“.

Über die Kanaren nach Kuba gelangt, traf dieses Gericht auf die Tomaten, Paprika und den Kreuzkümmel der Neuen Welt und wandelte sich stark gegenüber dem spanischen Vorbild. Die ursprüngliche spanische Version war dezent gewürzt, während die kubanische Version zu einem viel kräftigeren Gericht geworden ist, in dem die Säure der Tomate, der warme Duft des Kreuzkümmels und das Salz der Oliven eine Dreieinigkeit bilden.

Die drei Elemente der kubanischen Küche

Die kubanische Esskultur entstand aus der Verschmelzung dreier Kulturen: der spanischen, der afrikanischen und der der indigenen Taíno. In der Ropa Vieja stammt die Zubereitung des Rindfleischs aus Spanien, der Kreuzkümmel ist ein über Afrika gekommenes Gewürz aus dem Nahen Osten, Tomate und Paprika sind Erzeugnisse der Neuen Welt. In einem Teller ist die ganze Geschichte Kubas verdichtet.

Das Little Havana in Miami: Exilkubaner und die Erinnerung an den Geschmack

Seit den 1960er Jahren sind Hunderttausende Kubaner nach Miami in Florida ins Exil gegangen. Im Viertel Little Havana reihen sich von Exilkubanern eröffnete Traditionshäuser, etwa das Restaurant „Versailles“, aneinander, und Ropa Vieja wurde dort als „Geschmack der Heimat“ zu einer seelischen Stütze. Das Grundrezept hat sich seit über einem halben Jahrhundert nicht geändert. Wie die Harissa aus Armenien (auf Japanisch) die Erinnerung der Diaspora verbindet, ist die Ropa Vieja der Kern der Identität der kubanischen Diaspora.

Die Geschichte hinter dem Namen „alte Kleider“

Zum Ursprung des Namens gibt es mehrere Legenden. Die bekannteste ist die Fabel von einem armen Mann, der, um seiner Familie ein Fleischgericht zu geben, seine alten Kleider (ropa vieja) kochte, und durch die Kraft der Liebe verwandelten sich die Kleider in Fleisch.

Diese Geschichte gibt es auch als Kinderbilderbuch, und in kubanischen Haushalten lehrt man, dass „wenn man beim Kochen der Ropa Vieja an die Familie denkt, selbst das billigste Fleisch zum besten Gericht wird“. Die Botschaft, dass Liebe und Einfallsreichtum ein Gericht gut machen und nicht materieller Überfluss, hat für die Kubaner, die Mangel erlebt haben, mehr Bedeutung als eine bloße Geschichte von früher.

Ropa Vieja in der Welt

Die kubanische Version ist die bekannteste, doch Ropa Vieja wird in weiten Teilen Lateinamerikas gegessen.

Die kanarische Version steht dem Original nahe, mit Kichererbsen, wenig Tomate und rustikalem Geschmack. Die panamaische Version ähnelt der kubanischen, wird aber mit Achiote (Samen des Annattostrauchs) leuchtend orange gefärbt. Die venezolanische Version wird als Teil des Pabellón Criollo mit Reis mit schwarzen Bohnen und frittierten Kochbananen angerichtet. Die puerto-ricanische Version zeichnet sich dadurch aus, dass das Fleisch in Adobo-Sauce mariniert wird.

Die Schmorkultur der Karibik

Jedes Land der Karibik hat sein eigenes „Rindfleischschmorgericht“. Wie das Jerk Chicken aus Jamaika für die Komplexität der Gewürze bekannt ist, spiegeln sich Geschichte und Kultur jedes Landes im Schmortopf. Ropa Vieja, Pabellón, Sancocho: Diese drei Schmorgerichte begegnen einem auf einer Karibikreise unweigerlich.

Straßen einer Küstenstadt in Kuba und Oldtimer
Der Malecón in Havanna. Das Blau der Karibik, pastellfarbene Gebäude, Oldtimer der 1950er Jahre. In dieser Stadt isst man jeden Tag Ropa Vieja

Kochbananen und Congrí: die Gefährten der Ropa Vieja

In Kuba wird Ropa Vieja fast nie allein gegessen. Sie wird stets von Congrí (mit schwarzen Bohnen gekochter Reis) und Maduros (gebratene reife süße Kochbananen) begleitet.

Congrí ist ein Beitrag der afrikanischstämmigen Kubaner zur Esskultur: Kocht man den Reis im Saft der schwarzen Bohnen, bekommt er eine leicht violette Farbe und das Aroma der Bohnen. Maduros sind sehr reife, in Butter gebräunte Kochbananen, deren Kontrast aus Süße und Salz sich vollendet mit der Säure der Ropa Vieja verbindet.

Weil Kochbananen anderswo schwer zu bekommen sind, kann man sie durch in Butter gebratene, sehr reife Bananen ersetzen. Die Süße genügt, und das Gleichgewicht zur Tomatensäure der Ropa Vieja lässt sich wiederherstellen. Mit schwarzen Bohnen aus der Dose, die man im Reiskocher zusammen mit weißem Reis gart, entsteht ein vereinfachtes Congrí.

Ropa Vieja und das heutige Kuba

Seit den Wirtschaftsreformen der 2010er Jahre haben in Havanna und Trinidad die privat geführten Restaurants namens „Paladar“ zugenommen. Die Köche der Paladares geben der traditionellen Ropa Vieja eine moderne Interpretation.


Nährwertangaben (pro Portion bei 6 Portionen)

Ein eiweißreiches, ausgewogenes Gericht

Ropa Vieja liefert 38 g hochwertiges Eiweiß aus Rindfleisch, dazu das Lycopin der Tomate, das Vitamin C der Paprika und die ungesättigten Fettsäuren der Olive. Die schwarzen Bohnen als Beilage ergänzen Ballaststoffe und Eisen, und es wird ein Gericht, das auf einem Teller eine vollständige Mahlzeit ergibt.

Nährstoff Gehalt
Kalorien 420 kcal
Eiweiß 38 g
Fett 18 g
Kohlenhydrate 28 g
Ballaststoffe 5 g
Natrium 680 mg

Das Lycopin der Tomate wird zusammen mit Fett besser aufgenommen.


Dazu passende Gerichte

Häufige Fragen

FAQ: die 5 häufigsten Fragen

Hier die Fragen, die Ropa-Vieja-Einsteiger am häufigsten stellen, von der Fleischwahl bis zur Aufbewahrung.

F1. Wenn es kein Flankensteak gibt, welches Stück ist am besten?

Der nächste Ersatz ist Rinderhesse. Sie ist reich an Kollagen und zerfällt nach langem Schmoren zart. Allerdings braucht man über 2 Stunden Vorgarzeit. Als Nächstes empfiehlt sich Schulter (Chuck Roast), die etwas Fett hat und nach dem Zerzupfen saftig bleibt. „Geschnetzeltes“ oder kleine Stücke haben kurze Fasern und lassen das Zerzupfen von Hand nicht zu. Ein importierter Chuck-Eye-Roll ist hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität die beste Wahl.

F2. Wie geht man mit dem Schnellkochtopf vor?

Rindfleisch, 1 Liter Wasser, Lorbeer und Knoblauch in den Schnellkochtopf geben und 40 Minuten bei hohem Druck garen. Nach natürlichem Druckabbau das Fleisch herausnehmen und zerzupfen; ab dem Sofrito wie gewohnt. Wenn man auch das Schmoren im Schnellkochtopf macht, genügen 5 Minuten bei hohem Druck. Insgesamt in 1 Stunde fertig, geeignet für das Abendessen unter der Woche.

F3. Was kann ich anstelle von Weißwein nehmen?

Japanischer Kochsake ist der unproblematischste Ersatz. Mit trockenem Sherry kommt man der kubanischen Tradition noch näher. Der Alkohol im Wein rundet die Säure der Tomate ab und nimmt den Fleischgeruch: Statt ihn ganz wegzulassen, empfiehlt es sich, irgendeinen Alkohol zuzugeben. Für eine alkoholfreie Version gleichen Sie die Säure mit 1 EL Weißweinessig + 100 ml Wasser aus.

F4. Wie bewahrt man Ropa Vieja auf?

Im Kühlschrank 4 Tage haltbar. Eingefroren in einem luftdichten Behälter hält sie 1 Monat. Zum Aufwärmen ist der Topf bei niedriger Hitze am besten, doch auch die Mikrowelle ist in Ordnung. Wie bei allen Schmorgerichten schmeckt sie ab dem nächsten Tag besser, weil die Sauce ins Fleisch eingezogen ist. Viel zu kochen, einzufrieren und für das Abendessen unter der Woche vorrätig zu haben, ist die Weisheit kubanischer Haushalte.

F5. Gibt es außerhalb Kubas Restaurants, in denen man Ropa Vieja essen kann?

Spezialisierte kubanische Restaurants sind in vielen Ländern sehr selten, doch manchmal steht Ropa Vieja auf der Karte lateinamerikanischer Restaurants. Wer sie sicher essen möchte, für den ist das „Versailles Restaurant“ in Miami das Mekka. Eine deutsche Speisekarte gibt es nicht, aber bestellt man „Ropa Vieja“, versteht man einen. Selbst kochen ist der einfachste und sicherste Weg, und alle Zutaten bekommt man im Supermarkt.


Weitere Gerichte Lateinamerikas

Lateinamerikanische Küche weiter genießen

Wer von der Ropa Vieja neugierig geworden ist, erkundet die Schmorkultur der Karibik und Lateinamerikas weiter. Tomaten, Bohnen und Gewürze bilden eine vielfältige Geschmackswelt.

  • Feijoada (auf Japanisch) — Brasiliens Eintopf aus schwarzen Bohnen und Fleisch. Zusammen mit der Ropa Vieja eines der beiden großen Schmorgerichte Südamerikas
  • Bandeja Paisa (auf Japanisch) — Kolumbiens Platte. Rote Bohnen, Fleisch und frittierte Kochbananen auf einem Teller
  • Mofongo (auf Japanisch) — Das Kochbananengericht Puerto Ricos. Man spürt, was die Esskultur der Karibik gemeinsam hat

Die Kultur des zerzupften Fleisches, wie bei der Ropa Vieja, ist in ganz Lateinamerika verbreitet. Werfen Sie einen Blick auf südamerikanische Tische.

  • Lomo Saltado (auf Japanisch) — Perus gebratenes Rindfleisch. Ein südamerikanisches Fleischgericht mit chinesischem Einfluss
  • Empanada (auf Japanisch) — Argentiniens Teigtasche. Mit Resten von Ropa Vieja gefüllt, ebenfalls hervorragend

Quellen

Gepflasterte Straße in der Altstadt von Trinidad, Kuba
Die Altstadt von Trinidad, Kuba. Sie bewahrt Architektur aus der Kolonialzeit, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Auch in den Paladares dieser Stadt ist Ropa Vieja ein Aushängeschild

Rezepte und Zubereitung