Das „Katermittel“ eines Landes auf dem Äquator
Ecuador liegt an der Pazifikküste Südamerikas. Der Name bedeutet auf Spanisch „Äquator“, und die Linie verläuft mitten durch das kleine Land. Das beliebteste Gericht der Ecuadorianer ist Encebollado.
Der Name kommt von „cebolla“ (Zwiebel) und bedeutet wörtlich „mit Zwiebeln bedeckt“. Jedes Land der südamerikanischen und mittelamerikanischen Küche hat seine Lieblingssuppe, doch Encebollado ist der Stolz Ecuadors. Wie der Name sagt, ist ein Berg eingelegter roter Zwiebeln auf einer Suppe aus Thunfisch und Maniok das Merkmal. Die mit Kreuzkümmel und Koriander gewürzte Brühe ist heiß, und ein Spritzer Limette strafft das Ganze. Die Ecuadorianer nennen sie „das beste Mittel gegen den Kater“.
Das Wort bedeutet auf Spanisch „mit Zwiebeln bedeckt“. Es ist eine Fischsuppe: Thunfisch (Weißer Thun) und Maniok (Yuca) in einer mit Kreuzkümmel gewürzten Brühe, dazu ein Berg eingelegter roter Zwiebeln (Curtido). Ursprünglich von der Pazifikküste Ecuadors, wird sie als Nationalgericht gegessen, besonders in Guayaquil. Sie soll gegen den Kater helfen, und am Wochenendmorgen bilden sich Schlangen.
Rezepte für Encebollado sind auf Deutsch selten. Auf Englisch gibt es ausführliche Rezepte für „Ecuadorian encebollado“, doch die Punkte, die man für den Nachbau zu Hause wissen möchte – warum Maniok unverzichtbar ist, wie man den Kreuzkümmel zur Geltung bringt, wie man das Curtido aus roten Zwiebeln zubereitet –, sind kaum zusammengefasst. Dabei steht das Gericht auf einer Stufe mit dem peruanischen Ceviche oder der brasilianischen Feijoada unter den großen südamerikanischen Gerichten. Hier ein vollständiger Leitfaden.
Zutaten (4 Portionen)
Die Ecuadorianer versichern: „Encebollado isst man mit Curtido.“ Die Suppe allein ist nicht vollständig. Die Schärfe der roten Zwiebel und die Säure der Limette heben den Geschmack der Brühe, und die Frische des Korianders macht das Ganze leicht. Bereiten Sie es immer im Voraus zu und lassen Sie es mindestens 30 Minuten ziehen.

Tipps
Beim Encebollado denkt man den Thunfisch als „in der Suppe leicht pochiert“. Nach mehr als 5 Minuten wird er trocken. An ecuadorianischen Imbissständen kommt der Thunfisch erst nach der Bestellung hinein, und man passt den Moment zum Abstellen vor den Augen des Gastes ab. Eine noch leicht rosa Mitte ist ideal.
Zu lange gekocht, trübt der Maniok die Suppe weiß und verliert seine Textur. Sobald ein Bambusspieß ohne Widerstand hindurchgeht, sofort die Hitze verringern. Am besten ist die Suppe leicht gebunden, und die Stücke behalten ihre Form. Wie beim Dal im nepalesischen Dal Bhat entscheidet der Grad der Bindung über das Gelingen.
Die Ecuadorianer scherzen: „Ein Encebollado mit zu wenig Curtido ist eine Sünde.“ Selbst die doppelte Menge des Rezepts ist nicht zu viel. Übriges Curtido hält sich 3 Tage im Kühlschrank und passt auch zu gegrilltem Fisch oder Fleisch.
In Ecuador serviert man immer Chifles, Kochbananenchips. In die Suppe getunkt, bringen sie einen knusprigen Akzent. Zu Hause lassen sie sich durch gesalzene Bananenchips aus dem Handel oder dicke Kartoffelchips ersetzen.
Varianten

Garnelen-Version (Encebollado de camarón)
Statt Thunfisch 12 große Garnelen verwenden. Mit Schale mitköcheln, damit sie Geschmack an die Brühe abgeben, und bei Tisch schälen. Sie ist süßer als die Thunfisch-Version.
Bonito-Version
Eine Version mit angebratenem Bonito (Katsuo). Der Geschmack des dunklen Fleisches passt gut zum Kreuzkümmel. Den Fisch in 2 cm dicke Scheiben schneiden, ganz zum Schluss zugeben und nur 3 Minuten ziehen lassen.
Vegetarische Version
Statt Thunfisch 400 g festen Tofu (in 2-cm-Würfeln) und 200 g Pilze verwenden. Die Brühe mit Kombu- oder Gemüsebrühe ansetzen und den Tofu zum Schluss nur noch erwärmen. Mit der Bindung des Manioks und der Textur des Tofus wird die Suppe durchaus sättigend.
Kalte Version
An heißen Tagen kann man sie auch kalt essen. Die Suppe auf Raumtemperatur abkühlen und vor dem Anrichten im Kühlschrank kühlen. Das Zusammenspiel mit dem kalten Curtido verstärkt sich und regt bei Hitze den Appetit an. Wie beim peruanischen Ceviche funktioniert die Verbindung aus rohem Fisch und Zitrusfrüchten auch kalt.
Ein wenig Hintergrund
Die Gaben des Pazifiks und die Esskultur am Äquator
Die Pazifikküste Ecuadors profitiert vom Einfluss des Humboldtstroms (Perustroms) und seinen nährstoffreichen Gewässern. Thunfisch, Marlin, Garnelen, Oktopus: Die Fischerei Ecuadors gehört zu den größten Südamerikas, und Encebollado entstand aus diesen Gaben des Meeres.
Trotz seiner geringen Größe hat Ecuador vier Zonen: die Küste (Costa), das Hochland (Sierra), den Amazonas-Regenwald (Oriente) und die Galápagos-Inseln. Encebollado ist ein typisches Gericht der Küste.
Ein weiterer Name: „levanta muertos“
Encebollado trägt auch den Beinamen „levanta muertos“ (der die Toten weckt). Viele Ecuadorianer sehen darin „das beste Mittel gegen den Kater“.
Maniok, ein Geschenk des Amazonas
Der für Encebollado unverzichtbare Maniok (Yuca) ist eine Wurzelknolle südamerikanischer Herkunft, die auf dem ganzen Kontinent als Grundnahrungsmittel gegessen wird.
Sein Merkmal ist der hohe Stärkegehalt, der der Suppe ihre besondere Bindung gibt. Diese Bindung schafft eine Textur zwischen „Suppe“ und „Eintopf“, die im harmonischen Gegensatz zum Curtido steht.
In Ecuador kommt Maniok täglich auf den Tisch: gekocht und mit Butter gegessen, frittiert, gerieben und zu Brot gebacken. Wie der ghanaische Fufu, der aus Yams oder Maniok gemacht wird, ist Maniok eine „Wurzel“, die die Esskulturen der Äquatorzonen verbindet.
Nährwerte (pro Portion, bei 4 Portionen)
Mit 32 g Eiweiß aus dem Thunfisch und nur 10 g Fett liefern die Kohlenhydrate des Manioks die Energie.
| Nährstoff | Gehalt |
|---|---|
| Kalorien | 350 kcal |
| Eiweiß | 32 g |
| Fett | 10 g |
| Kohlenhydrate | 35 g |
| Ballaststoffe | 4 g |
| Natrium | 580 mg |
Maniok ist eine glutenfreie Kohlenhydratquelle.
Dazu passende Gerichte
- Chimichurri - Zutaten und Aromen aus derselben Region lassen sich weiterverwenden.
- Empanada - Zutaten und Aromen aus derselben Region lassen sich weiterverwenden.
- Hallaca - Zutaten und Aromen aus derselben Region lassen sich weiterverwenden.
Häufige Fragen
Hier die Fragen, die Erstkocher von Encebollado am häufigsten stellen.
Q1. Geht es auch mit einem anderen Fisch als Thunfisch?
Ja. Auch in Ecuador verwendet man vielfach rotfleischige Fische wie Marlin, Bonito oder Schwertfisch. Weißfisch (Dorade, Kabeljau) geht ebenfalls, doch Farbe und Geschmack der Suppe werden etwas schwächer. Am einfachsten ist angebratener Bonito, der gut zum Kreuzkümmel passt.
Q2. Was, wenn es keinen Maniok gibt?
Festkochende Kartoffeln sind der nächste Ersatz. Taro bindet ebenfalls, doch seine ausgeprägte Klebrigkeit ist nicht jedermanns Sache. Süßkartoffel ist zu süß und ungeeignet. Tiefgekühlten Maniok findet man am sichersten im Asia- oder Exotenladen oder online.
Q3. Wie regelt man die Schärfe?
Die Suppe selbst ist nicht scharf. Die Schärfe regelt man mit Scotch Bonnet (oder Vogelaugenchili) im Curtido. Wer Scharfes nicht mag, lässt den Scotch Bonnet weg und reicht Chilisauce separat, je nach Geschmack.
Q4. Wie bewahrt man ihn auf?
Die Suppe hält sich 2 Tage im Kühlschrank. Der Thunfisch wird aber schon am nächsten Tag trocken: Zum Aufbewahren den Thunfisch herausnehmen und nur die Suppe aufbewahren, und beim Essen frischen Thunfisch zugeben. Das Curtido hält sich 3 Tage im Kühlschrank.
Q5. Was reicht man statt Chifles?
Gesalzene Bananenchips aus dem Handel sind der nächste Ersatz. Kartoffelchips (kräftige Sorte) oder Cracker gehen ebenfalls. In die Suppe getunkt, bringen sie den knusprigen Akzent: So isst man sie original.
Weitere Gerichte Südamerikas
Wer Lust auf Encebollado bekommen hat, erkundet weitere Fischgerichte und die Wurzelkultur Südamerikas.
- Ceviche — peruanisch marinierter Fisch. Die Technik des „Garens“ mit Limette klingt im Curtido an
- Feijoada — brasilianischer Eintopf aus schwarzen Bohnen. Die „Nationalgericht“-Kultur Südamerikas erleben
- Bandeja paisa (auf Japanisch) — kolumbianische Platte. Die Fülle südamerikanischer Tische
Die südamerikanischen Küchen der Pazifikküste zeichnen sich durch die Verbindung von Meeresfrüchten und Wurzelgemüse aus.
- Lomo saltado — peruanisches Rindfleisch aus dem Wok. Die südamerikanische Streetfood-Kultur
- Ropa vieja — kubanisches Rindfleisch in Tomatensauce. Eine Brücke zwischen Karibik und Südamerika











